Impaktgläser und Tektite
Ein auf die Erde auftreffender Himmelskörper besitzt aufgrund seiner Geschwindigkeit eine enorme Energie, die sich im Moment des Einschlags in die Deformation der Erdoberfläche und in Wärme umwandelt. Am Einschlagsort entsteht ein Krater, in dem und in dessen Umgebung zertrümmerte und unterschiedlich stark aufgeschmolzene Gesteine zu finden sind. Besonders auffällig sind die sogenannten Impaktgläser – geschmolzenes Material, das so schnell erstarrt, dass die Mineralkörner keine Zeit haben, erneut auszukristallisieren. Impaktgläser, die sich im Krater oder in seiner unmittelbaren Umgebung befinden, sind in der Regel chemisch inhomogen.
Tektite sind eine besondere Art von Impaktglas, die in der Anfangsphase eines Impakts entstehen, noch kurz bevor sich der einschlagende Meteorit in den Boden bohrt. Bereits die Druckwelle vor dem aufprallenden Meteoriten kann die oberste Gesteinsschicht aufschmelzen. Nähert sich ein Asteroid der Erdoberfläche in einem flachen Winkel, schleudert die Druckwelle die geschmolzene Masse buchstäblich im flüssigen Zustand Hunderte bis Tausende Kilometer weit vom Krater weg. Die Schmelztröpfchen, die gut durchmischt und homogen sind, erstarren während ihres Fluges durch die Atmosphäre und fallen auf ein Gebiet, das als „Streufeld“ bezeichnet wird.
Beispiele für Impaktgläser
Das bekannteste Impaktglas ist das Libysche Glas in weißlichen, gelben bis grünlichen Farbtönen, das an der Grenze zwischen Libyen und Ägypten im Gebiet des sogenannten Großen Sandmeeres vorkommt. Es tritt in unregelmäßigen, oft auch großen Stücken auf, was auf einen sehr kurzen beziehungsweise gar keinen Transport hindeutet. Der Ursprungskrater wurde bislang jedoch nicht eindeutig nachgewiesen. Möglicherweise ist er noch immer unter den Dünen des Großen Sandmeeres verborgen; neuere Forschungen deuten jedoch darauf hin, dass möglicherweise gar kein solcher Krater existiert. Der Sand wurde vermutlich durch die Hitze einer Kometenexplosion aufgeschmolzen, wobei der Kern des Kometen nicht massiv genug war, um die Atmosphäre zu durchdringen und die Erdoberfläche zu erreichen.
Dieses Naturglas war bereits den alten Ägyptern bekannt und wurde von ihnen sehr geschätzt, wie zum Beispiel ein Schmuckstück von Tutanchamun mit einem gelben Skarabäus aus Libyschem Glas zeigt.

Eine grünlich-graue bis intensiv grüne Farbe kann das sogenannte Darwin-Glas aus der Umgebung des Darwin-Kraters in Tasmanien aufweisen.
Tektite
Tektite werden nach ihrem Fund- bzw. Streugebiet benannt. In der Regel werden zunächst Tektite entdeckt, und erst danach sucht man nach dem Krater, aus dem sie stammen könnten.
Nordamerikanische Tektite
Die ältesten bekannten Tektite sind die nordamerikanischen Tektite – Georgiite und Bediasite – mit einem Alter von etwa 35,4 Millionen Jahren. Sie stehen vermutlich im Zusammenhang mit der Entstehung des großen Kraters unter der heutigen Chesapeake Bay.
Mitteleuropäische Tektite
Die mitteleuropäischen Tektite (international als Moldavite bezeichnet) gelten zweifellos als die schönsten Tektite. Als einzige weltweit zeichnen sie sich durch außergewöhnliche Transparenz und eine breite Palette grüner Farbtöne aus. Sie gelangten vor etwa 15 Millionen Jahren aus dem Ries-Krater im heutigen Bayern in unser Gebiet.
Afrikanische Tektite (Ivorite)
Die Ivorite stammen aus dem Bosumtwi-Krater in Ghana. Auch diese Gesteine wurden durch die Luft transportiert – unabhängig von heutigen politischen Grenzen – und befinden sich heute auf dem Gebiet eines anderen Staates als ihr Ursprungskrater, nämlich in der Elfenbeinküste.
Australasiatische Tektite
Die jüngsten sowie gleichzeitig die zahlreichsten und größten Tektite sind die australasiatischen Tektite, die auf einem großen Gebiet Südostasiens und Australiens vorkommen. Sie werden meist nach ihrem genaueren Fundgebiet benannt, zum Beispiel als Indochinite, Billitonite, Philippinite, Javaite oder Australite. Ihr Ursprungskrater wurde bisher noch nicht entdeckt, man weiß jedoch, dass er vor etwa 760.000 Jahren entstanden ist.
Später entdeckte und weniger bekannte Tektite stammen aus Belize, Uruguay und Brasilien. Jedes dieser südamerikanischen Gläser gehört zu einem anderen Krater, der bislang nur im Fall der belizischen Tektite eindeutig identifiziert wurde: dem Pantasma-Krater im benachbarten Nicaragua.